Love Your Neighbour – Die Vision

Es ist stockdunkel, mitten in der Nacht. Ich liege in meinem Bett und schlafe. Auf einmal spüre ich, dass eine dichte Spannung den Raum erfüllt, die mich total ergreift. Die Luft in meinem Zimmer ist wie elektrisiert. Etwas Grosses, Unglaubliches kündigt sich an. Dabei ist es völlig ruhig, so wie bei der Stille vor dem Sturm, bevor der erste Donner hervorbricht und sich das Gewitter entlädt.

Doch was hier geschieht, ist nicht bedrohlich, im Gegenteil. Ein tiefer Frieden hüllt mich ein wie eine riesige Daunendecke. Gespannt wird meine Aufmerksamkeit auf das gezogen, was von irgendwoher gleich kommen wird. Ich wage kaum zu atmen. Da – unvermittelt geht es los! Wie aus dem Nichts strahlt direkt vor meinen Augen ein Bild auf, dann noch eines, drei, vier, immer mehr, bis viele einzelne Szenen im Dunkeln aufleuchten. Wie auf einer Leinwand ist alles deutlich zu erkennen. Gefesselt betrachte ich ein Bild nach dem anderen. Auf einem sind Klamotten zu sehen: T-Shirts, Sweatshirts, Caps – tolle Mode mit frischem Style.

Eine andere Szene zeigt mir einen jungen Mann, der an einem See sitzt, die Füße lässig im Wasser baumelnd und ein Notebook auf den Knien. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich überrascht, dass ich das bin. Dort am Ufer designe ich Kleider, entwerfe Skizzen und wähle Schnitte und Farben aus. Was hat das zu bedeuten? Schon werden meine Augen zum nächsten Bild gezogen: Dort sitzen Obdachlose mit ihrer zusammengerafften Habe auf einer Decke oder einem Stück Pappe auf der kalten Straße – mit völlig abgetragenen Kleidern und hoffnungslosen, gesenkten Blicken. Die Szene bewegt sich und ich sehe, wie ich auf die Bedürftigen zugehe, mit ihnen spreche und ihnen Kleider schenke. Es sind dieselben Klamotten, die ich zuvor entworfen habe. Die müden Augen der Wohnungslosen strahlen vor Glück.

Ganz in der Mitte der vielen Szenen steht in leuchtenden, deutlichen Buchstaben: LOVE YOUR NEIGHBOUR. Ein Blick zurück auf das Bild mit den Kleidern macht mir klar, dass die Shirts und alles andere denselben Schriftzug tragen. Während ich noch völlig gebannt von einem Bild zum anderen schaue und langsam den Zusammenhang begreife, beginnt es plötzlich im Raum zu flackern. Vom linken Rand her bewegt sich eine brennende Fackel ins Bild. Eine Fackel wie bei den Olympischen Spielen, mit einem kurzen, metallenen Schaft und einer kraftvollen, gelbrötlichen Flamme. Es kommt noch eine dazu, dann sind es schon drei, zehn, immer mehr, bis schließlich mein ganzes Zimmer voller Fackeln und flackerndem Licht ist! Fasziniert blicke ich in das riesige Flammenmeer, das wie ein Lauffeuer um sich greift und alles um mich herum hell und warm macht. Auch in mir breitet sich eine wohlige Wärme aus und tiefe Freude durchflutet mich.

Auf einmal fühle ich mich so leicht und unbeschwert. So glücklich wie lange nicht mehr. Hier mitten in der Vision, möchte ich sein und bleiben. Etwas zieht mich mit aller Leidenschaft zu dieser Idee hin: Ich will Klamotten entwerfen. ich will ein Modelabel gründen und es wird LOVE YOUR NEIGHBOUR heißen, Liebe deinen Nächsten. WOW! Doch eins ist ganz klar: Bei dem, was ich vor mir sehe, geht es um viel mehr als Klamotten! Etwas kann ich Brand gesetzt werden, wenn sich das Feuer ausbreitet und viele ergreift. Die Mode ist nur Teil des Lifestyles, der von einer bedingungslosen Liebe geprägt wird. Yes, hier geht es um radikale, gebende Nächstenliebe. Ich weiß, die Bewegung wird sich immer weiter ausbreiten. Coole Mode wird ein Trittbrett dafür bieten. Türöffner sein! Glasklar steht es mir vor Augen, alle Bilder zusammen ergeben komplett Sinn. BÄMM – ich bin völlig begeistert.

Als ich schließlich die Augen aufschlage, drehe ich mich benommen zum Nachttisch. Der Blick aufs Handy sagt mir, es ist acht Uhr. Krass, was war das denn? Der nächtliche Traum steht noch völlig real vor mir, die Bilder, das Flackern, die Begeisterung und der Frieden in mir! Tief drinnen weiß ich, das war mehr als ein Traum. Da hat Gott zu mir gesprochen. Mal eben so im Schlaf hat er mir eine Art Businessplan geschenkt. Innerlich beginne ich zu beben, weil ich spüre, Gott hat mir einen Auftrag gegeben und ich muss ihn einfach umsetzen. Das ist meine Chance. Denn wenn ich Gottes Plan für dieses Modelabel nicht verwirkliche, macht es vielleicht irgendwann jemand anderes.

Ohne Fragen brenne ich schon jetzt dafür! Der Wunsch, etwas in dieser Welt zu verändern, war über die letzten Wochen immer stärker in mir gewachsen. Die Sehnsucht wurde von Tag zu Tag größer und drängender. Keinesfalls wollte ich am Ende meines Lebens feststellen, dass ich zu bequem oder zu ängstlich gewesen war, um etwas zu bewirken. Und jetzt war sie wie aus heiterem Himmel da: die Chance, radikal einen Unterschied zu machen. Die Liebe weiterzugeben, die ich selbst von Gott erfahren hatte. Die mich befähigte, die Vision umzusetzen und einen positiven Lifestyle zu prägen, der Menschen mitreißt. Ein Leben zu leben, das Auswirkungen hat und Wellen schlägt. Noch völlig geflasht stehe ich schnell auf und schalte meinen Laptop an.

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